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Ladakh (August 2008)

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Mountainbiken im verborgenen Ladakh – durch die vergessenen Täler des Himalaya

„Wenn ein Tal über einen hohen Pass zu erreichen ist, kommen lediglich gute Freunde oder schlimme Feinde.“ Diese tibetische Weisheit traf viele Jahrhunderte lang für Ladakh und noch mehr für das entlegene Zanskar-Tal zu. Weil dieses Land so schwer erreichbar war, hat sich hier eine einzigartige Kultur entwickelt, der die Bewohner bis heute treu geblieben sind. Jeder Lebensbereich dieser Menschen ist durchdrungen von tiefer buddhistischer Religiosität. In der Vorstellung der Ladakhis leben Götter und Dämonen auf den Gipfeln der Berge, in den Flüssen und in der Erde der Felder.

Einzigartig zeigt sich die Natur in Ladakh, diesem kleinen Land hinter dem Himalaya, das zwar politisch zu Indien gehört, aber ansonsten wenig mit seinem Mutterland gemeinsam hat. Die bizarren Berge erscheinen in der glasklaren Luft auch aus weiter Ferne zum Greifen nah. Der optische Kontrast zwischen schier endlosen Felsen und den einzelnen grünen Oasen, in denen sich Menschen angesiedelt haben, fasziniert immer wieder aufs Neue. Dann die prächtigen Klosteranlagen, die meist auf Felsenspitzen stehen und das Tal dominieren.



Nach einer Weile Aufenthalt in Ladakh beginnt man zu begreifen, warum die Menschen gerade hier einen Grad an Spiritualität erreicht haben, der kaum anderswo auf der Welt zu finden ist.

Oft wird Ladakh als Westtibet bezeichnet. Dieser Name stimmt insofern, als Ladakh jahrhundertelang engste kulturelle und spirituelle Verbindungen mit Zentraltibet pflegte und die Ladakhis zu einem Teil von den Tibetern abstammen. Politisch war Ladakh jedoch 1000 Jahre lang ein eigenes Königreich und eher darauf bedacht, nicht von Tibet einverleibt zu werden. Nach der Zerstörung fast aller Klöster und der Unterdrückung des geistlichen Lebens in Tibet durch die Chinesen ist Ladakh nun neben Bhutan das einzige Land, in dem tibetischer Buddhismus in seiner ganzen Vielfalt erhalten und praktiziert wird.

Aufgrund seiner geographischen Lage am westlichen Ende des tibetischen Hochplateaus ist Ladakh strategisch äußerst wichtig: im Nordosten grenzt es an China, im Nordwesten an Pakistan, im Westen an Kaschmir und im Süden an die indischen Provinzen Himachal Pradesh und den Punjab. Wegen der drohenden militärischen Gefahr von Pakistan und China hat Indien in dieser „Pufferzone Ladakh“ etwa 30.000 Soldaten stationiert.



Die Landschaft ist karg, die Winter hart und die Menschen sind von ihren zentralasiatischen Wurzeln geprägt. Diese schroffe , vergletscherte Hochgebirgswüste des Himalaya mit hohen Pässen, gottverlassenen Landschaften und mystischen Klöstern – ist ein absolut spannendes Abenteuerland! Vielleicht machte genau das den Reiz der Reise nach „ Little Tibet“ aus.

Mit einer Jahresniederschlagsmenge die vergleichbar mit der der Sahara ist, ist eine von Klöstern dominierte Oasenkultur entstanden. Von alters her war Ladakh eine wichtige Station auf den Handelswegen zwischen Zentralasien und dem indischen Subkontinent. Dies spiegelt sich auch in der heutigen Bevölkerung in vielen Aspekten. Beispielsweise sind die Ladakhis traditionelle Buddhisten und sehr eng mit der Kultur Tibets verbunden. Jedoch spürt man auch den Einfluss des islamisch geprägten Kashmirs, das während der letzten Jahrhunderte die Oberhoheit über das ehemals selbstständige buddhistische Königreich hatte.

Dies alles führt zu einem Bevölkerungsmix gepaart mit einer wilden und eindrücklichen Landschaft. Der ideale Ort also um ein wenig mit dem Mountainbike herum zu fahren.

Das Programm
Meine faszinierende Mountainbike-Reise führte über die höchsten befahrbaren Pässe der Welt. 12 Tage mit dem Mountainbike das Land zu erkunden, mit zwei Touren zu je 7 und 5 Tagen von Leh der alten Stadt an der Seidenstrasse ausgehend . Dabei standen folgende Interessen im Vordergrund: die absolute Ruhe und Abgeschiedenheit dieser Region, die Faszination der fremden Kultur und die Freude an der sportlichen Herausforderung des Radfahrens.

Die wichtige Zeit der Höhenanpassung wurde genutzt, um einerseits Leh, die Hauptstadt von Ladakh, und andererseits die mystischen Klöster Hemis und Thiksey sowie den ehemaligen Königspalast in Shey zu besichtigen. In den abgelegenen Klöstern fernab jeglicher Zivilisation konnte hier im Stillen ein Kulturerbe bewahrt werden, das in Tibet mittlerweile fast vollständig zerstört wurde. Die von außen teilweise unscheinbar wirkenden Tempel und Gompas bergen im Inneren wahre Schätze, welche Spiritualität verbreiten und eine mächtige Energie und Kraft verspüren lassen. Die Mönche, aber auch die normale Bevölkerung, spiegeln diese Ruhe, Stimmung und Gelassenheit wieder.

Erinnerung an den Besuch des Mittagsgebets in einem Kloster: alle Mönche sitzen im Schneidersitz und murmeln endlose Gebete vor sich hin. Der Faszination des Buddhismus kann man sich hier nur schwer entziehen!

1. Tour: Region Changtang
Die erste Mountainbikefahrt ging in die Hochebene von Changtang. Weitab von jeglicher Zivilisation ging es einige Tage auf Naturstrassen und alten Karawanenwegen über das faszinierende Ladakh-Plateau. Viele wechselnde Eindrücke und Impressionen prägten die Fahrt durch das Indus-Tal über den Namshang La (4.840 m), zum wunderschönen See Tso Moriri. Er liegt auf 4.520 m Höhe inmitten einer vegetationslosen Mondlandschaft am vermeintlichen Ende der Welt. Gesteine unterschiedlicher Farben verleihen den umgebenden Bergen eine bizarre Wirkung. Die Form des 35 km langen tiefblauen Sees gleicht einer gebogenen Sichel. Die völlige Ruhe wurde nur unterbrochen vom Gekreisch der Kraniche, Enten und Möwen. Nur der stolze Nomadenstamm der Changpas zieht hier mit seinen Herden seit Jahrtausenden über die rauhe tibetische Hochebene.



Die verschiedenen Brauntöne, die sich so gleichende und doch so abwechslungsreiche Landschaft und die riesigen Dimensionen der Natur strahlten eine kaum fassbare, meditative Ruhe und Besonnenheit aus. Stille, Harmonie, Einklang und Unvergänglichkeit wirkten ein und man konn te trotz der Anstrengungen wie Höhe (meist zwischen 4.500-5.300m), der starken Sonneneinstrahlung, dem Staub und dem Wind all diese Elemente aufnehmen.

Über den Polokongka La (4.900 m) ging es weiter zum weitgehend verschwundenen Tso Kar. Der „weiße See“ ist ein verbrackter Salzsee, an dessen Ufern Speisesalz abgebaut wird. Über den Taglang La (5.350 m), den zweithöchsten Straßenpass der Welt, ging es schließlich am Manali-Leh-Highway wieder zurück nach Leh.

Einen Tag zur Erholung nutzte ich, um auf dem Zanskar-River raften (WW III) zu gehen.

2. Tour: Durch das Nubra-Valley
Auf uralten Karawanenwegen, von der indischen Armee zur Straße ausgebaut ging es am nächsten Tag von Leh in Richtung Norden über den höchsten Straßenpass der Welt, den Khardung La (mit angeblichen 5.606 m, in Wirklichkeit aber „nur“ 5.378 m). Selbst im August waren die umgebenden Berge noch schneebedeckt. Diese Bergwelt strahlt – trotz der kaum begreifbaren Mächtigkeit – Ruhe, Frieden und Gelassenheit aus.



Da Nubra auf dem Weg zum strategisch wichtigen Siachen-Gletscher an der pakistanischen Grenze liegt, ist diese Militärstraße großteils geteert und auch geräumt. Die Passhöhe liegt 39 km von Leh entfernt. Auf der anderen Seite wartete das Nubra-Valley in wunderschöner Pracht. Der „Blumengarten“ hat eine wesentlich üppigere Vegetation als Zentralladakh. Den Nubra entlang ging es vorbei an üppigen Oasen bis nach Panamik und anschließend den Shyok entlang nach Diskit. Die Bergriesen des Karakorum waren nicht mehr weit entfernt...

Die letzte Etappe hatte es noch mal in sich: neuerlich musste der Khardung La bezwungen werden. Binnen 25 km waren 1.600 Höhenmeter auf großteils steindurchzogenen Pisten zu bewältigen. Das Erreichen des Passes und die folgende Abfahrt jedoch ließen alle Strapazen als unwesentlich erscheinen.



Das Biken war insgesamt technisch leicht, aber durch die Höhe trotzdem als anspruchsvoll zu bewerten. Alles in allem eine anstrengende, aber lohnenswerte Möglichkeit um Nordindien kennen zu lernen.

Delhi und Agra
Delhi war ein Schock. Nach den unvergesslichen Biketouren im klimatisch angenehmen Himalaya bei freundlichen und Fremden gegenüber offenen Menschen wird man binnen einer Flugstunde in eine stinkende und schwüle Riesenmetropole geworfen. Wie das Klima ändert sich auch die Mentalität der Bewohner. Die Gegensätze sind auffällig: Während in den Straßen insbesondere in Old Delhi an jeder Ecke Armut herrscht, thront die reiche indische Gesellschaftsschicht in bewachten Palästen im von den Briten entworfenen Stadtteil New Delhi. Somit beschränkte sich das Besichtigungsprogramm auf eine Stadtrundfahrt und eine Rikscha-Tour durch die engen, überbevölkerten Gassen von Old Delhi.

Es folgten: das Rote Fort, das India Gate, das Parlamentsgebäude und die riesige alte Moschee Jama Masjid, das größte moslemische Gotteshaus in Indien.

200 km südlich von Delhi liegt das Rote Fort in Agra. Dies zeugt von der Hochzeit der Mogulära um 1566 als es aus roten Sa ndstein gefertigt wurde . Eines der bekanntesten Denkmäler der Welt und gleichzeitig Indiens Wahrzeichen ist ein Grab: Das Taj Mahal - „Die Krone des Palastes“ - wurde vom Mogulkaiser Shah Jahan anlässlich des Todes seiner Lieblingsfrau Arjumand Banu Bagam als Mausoleum errichtet. Diese verstarb bei der Geburt ihres 14. Kindes im Alter von 38 Jahren im Jahr 1631. Bis sie im Marmorgebäude beigesetzt werden konnte, vergingen 22 Jahre.





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